Stell Dir vor, niemand kennt seine Abfallgebühren – aber alle finden sie zu teuer

Wovon die Psychologie sprechen würde, weiß der Autor nicht, aber es gibt schon Phänomene, die eine besondere Würze in die Kommunikation bringen. Klar, wenn Konsumenten an der Fleischtheke vorbeiziehen und das Rinderfilet mit knappen 40 Euro das Kilo ausgezeichnet sehen, dann melden die Synapsen den Händen oftmals „Finger weg, viel zu teuer“. Auch der Liter Super für deutlich mehr als Einsfuffzig wird ungern in den Tank geführt … kostet ja tüchtig! Oder die modischen Sneaker im Schaufenster … die gibt’s doch online bestimmt viel günstiger.

Jetzt kommt’s: Die Erfahrungen der meisten kommunalen Entsorgungsunternehmen in Deutschland lehren: Die Kunden empfinden die individuellen Kosten für die Abfallsammlung und -beseitigung als viiiiiiiel zu hoch. Aha, ist ja vorstellbar auf den ersten Blick. ABER: Diese Einschätzung kommt … aus dem hohlen Bauch! Denn fragt man nach (und das haben schon einige Unternehmen empirisch gestützt gemacht), erfährt man: Die Kunden wissen überhaupt nicht, wie viel sie bezahlen. Donnerwetter! Also haben wir es mit rein gefühlten Kosten zu tun. Und die fühlen sich bei den Abfallgebühren traditionell leider immer schlechter an, als die Investitionen in Neues oder Schönes.

Die Kommunikation darf dies nun zurechtrücken – vorsichtig und bitte nicht lehrmeisterhaft wohlgemerkt, man will ja keinem auf die Füße treten. Aber – verrückte Welt! – das absolute Gegenteil ist oft der Fall, die tatsächlichen Kosten liegen mitunter gewaltig unter den gefühlten. Ein Besuch in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg: Hier wirtschaftet die AWSH (Abfallwirtschaft Südholstein) seit Jahren so wirtschaftlich, dass die Kosten für die Abfallentsorgung – Trommelwirbel – SINKEN. Und das Tollste: Nimmt man das Niveau von 2002, und das war das „Teuermacher-Jahr“ mit der Euro-Einführung, so liegen die Belastungen der Haushalte zwölf Jahre später auf demselben Level bzw. ab 2015 vielleicht sogar noch einmal darunter. Auch die Stadtreinigung Hamburg zeigt anstelle einer aufsteigenden Kurve eher eine stabile Linie was die Gebühren angeht und erreicht nicht einmal den Wert der allgemeinen Preissteigerung. Und bei der Bewertung der wichtigen, qualitativ hochwertigen und immer mehr zusätzlichen Leistungen sind wir noch gar nicht.

Also, was erlauben Kunde? Aber gut, all das ist so alt wie die Abfallsammlung selbst … und wird uns auch in Zukunft mit Sicherheit weiter begleiten. Aber gut, so wird es nicht langweilig für die Kommunikatoren, die gerade jetzt ihre Jahresbroschüren 2015 so gut wie in der Produktion haben.

 

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